Fastenwoche Aufbautage + Fazit

Das Projekt Fastenwoche ist schon eine Weile vorbei - mag man meinen. Esse ich doch schon seit 2 Wochen wieder "normal". Doch für mich klingt das Projekt erst so langsam aus. Der Grund: Erst nach und nach machen sich die Effekte der Fastenwoche bemerkbar und mittlerweile bin ich, denke ich, soweit, dass ich ein Fazit ziehen kann. Zuvor möchte ich euch aber noch einen Einblick in meine Aufbautage geben.



Fastenbrechen und wieder das langsame gewöhnen an Nahrung

Auf diesen Moment habe ich fünf Tage hingefiebert. Mein erster Bissen Nahrung nach fünf Tagen Nullernährung. Ich zelebriere den Moment, mache mir den Apfel, den ich ich am Tag vorher sorgfältig im Bio Laden ausgesucht habe (wann macht man das schon??) in der Mikrowelle warm und weich. Überlegt euch mal wie es für euch ist, den ersten Bissen von einem
Eine glückliche Lila mit ihrem Apfel
Apfel zu essen. Irgendwie besonders? Also wenn ich ehrlich sein soll, für mich ist es das nicht. Es ist eben ein Apfel. Nach fünf Tagen ohne feste Nahrung aber, da explodieren eure Geschmacksnerven! Und noch eine Frage, wie schnell esst ihr einen Apfel? In fünf Minuten etwa? Ich bin dem Tipp aus dem Fastenratgeber gefolgt und habe mir mit dem Essen viel Zeit gelassen. 20 ganze Minuten. Langsam gekaut und nichts nebenbei gemacht. Der Körper muss erstmal wieder anfangen die Verdauungssäfte zu produzieren und deshalb war nach dem einen Apfel selbstverständlich erstmal wieder Schluss. 

Diesen Apfel zu verdauen war Schwerstarbeit für meinen Darm. Ich habe es rumoren gehört aber ansonsten ging es mir blendend. Wie die Tage zuvor war ich voller Energie. Und dann einige Stunden später spürte ich auch wieder den Hunger. Welcome back! Es war irgendwie extrem komisch Essen wieder als eine Möglichkeit zu sehen. Ich hatte fast Frieden damit geschlossen nichts zu mir nehmen zu dürfen. Es entlastet einen auch, sich nicht zu Essen suchen zu müssen. Nichts kochen, nichts einkaufen, sich nicht überlegen ob man das jetzt wirklich essen soll... Fünf Tage hören sich nicht lang an aber fünf Tage komplett ohne Nahrung verändern dich. Du wertschätzt Essen völlig anders. Und ebenfalls schmeckst du intensiver und - was offensichtlich ist - du schaffst nur kleine Portionen. 

Das habe ich bei meiner 2. Mahlzeit an diesem Tag gemerkt: Einer völlig selbstgemachten Tomatensuppe. Schon das Zubereiten hat sehr viel Spaß gemacht. Die Tomaten zum Beispiel, zu riechen und zu wissen, dass ich sie gleich genießen, essen darf war toll. Ich frage euch wieder, wie findet ihr eine stinknormale Tomatensuppe? Lecker aber eher langweilig bzw. einfach? Etwas was ihr kochen würdet, wenn ihr Gäste empfangt, also etwas Besonderes? 
Nach einer kleinen Portion war aber schon Schluss - ich war pappsatt!
Für mich war diese Suppe etwas sehr Besonderes, sie hat so unglaublich gut geschmeckt (Tipp: frische Minze wertet eine Tomatensuppe richtig auf). Und mir wurde in diesem Moment bewusst, wie wenig ich (ihr vielleicht auch?) mein Essen im Alltag wertschätze. Oft esse ich nebenbei und oft habe ich auch zu wenig Zeit mit Hingabe zu kochen. Der Geschmack ist oft zweitrangig vor dem Satt-Gefühl.

Auch am nächsten Tag habe ich versucht meinen Magen nicht gleich mit fettem Essen zu belasten und habe all die tollen Zutaten die ich eingekauft habe zu Essen verarbeitet. 
Hier die Schnell-Zusammenfassung was es gab: 

 Zum Frühstück: Tee mit einer Scheibe Knäckebrot mit Hüttenfrischkäse garniert mit Leinsamen und ein Brei aus geschrotetem Weizen mit etwas Sirup und 2 getrockneten Feigen. 

 Mittags gab's Salat mit gekochten Möhren und einer Kartoffel. Selbst etwas so einfaches hat mich so glücklich gemacht. 


Abends war ich auf einem Konzert und da hatte ich etwas Stress überhaupt zum Essen zu kommen und deshalb gab es unterwegs einen Joghurt mit Leinsamen und nachts noch einen schnellen Apfel. Nicht viel aber es hat total gereicht. 



Mein Fazit zur Fastenwoche


Es ist, wie eingangs erwähnt genau 2 Wochen her, dass ich gefastet habe und ich konnte so einige Veränderungen bemerken. Es ist in dem vorangegangen Text schon etwas angeklungen aber sehr markant ist, wie sehr ich Essen wieder wertschätze. Nicht nur als Quelle für Energie, auch als etwas was Genuss bedeutet. Nahrung liefert uns Energie aber ich brauche viel weniger dieser Energie als ich immer dachte. Ich habe in dieser Woche ständig darauf gehört, was mein Körper mir versucht hat zu sagen und das nehme ich auch ins Jetzt mit. Vorher habe ich eher so gegessen, gelebt wie ich es mal gelernt hatte. Zum Beispiel den Teller aufzuessen, egal wie viel darauf war oder weitere so ähnliche Regeln. Jetzt höre ich auf zu Essen wenn ich merke ich bin satt bzw. nehme mir gar nicht mehr so viel. Ich bin auch viel entspannter wenn ich nicht weiß wann ich wieder was zu Essen bekomme. Früher habe ich dann schnell noch vorsichtshalber was gegessen - wer weiß, wann man wieder was bekommt. Es ist schön zu wissen, dass man nicht sofort den Hungertod stirbt wenn man nicht auf der Stelle dem Hungergefühl nachgibt. Auf der anderen Seite habe ich meinem Körper offensichtlich etwas abgewöhnt was ich vorher sehr gut fand. Vor dem Fasten habe ich immer erst ab Mittags Hunger gehabt. Es ist sehr entspannt wenn man sich um eine Mahlzeit gar nicht mehr den Kopf zerbrechen muss (und ja, ich zerbreche mir den Kopf darüber was ich esse - eben weil ich nicht jeden Crap in mich rein essen möchte). Jetzt habe ich morgens wieder Hunger. Zusätzlich gehen aber immer nur kleine Portionen. Sprich, ich habe schnell wieder Hunger. Das ist irgendwie stressig für mich :D 
Ebenfalls kleiner Nachteil und ich habe keine Ahnung woher das jetzt kommt: Mir fällt es wesentlich schwieriger auf Süßes zu verzichten wie vor dem Fasten. Habe regelrecht Heißhunger darauf. Hoffentlich legt sich das wieder. Denn insgesamt finde ich, dass das Fasten ein voller Erfolg war. Ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören und nehme mein Essen ganz anders wahr. Beim nächsten Mal (und es wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder ein nächstes Mal geben!) möchte ich aber in einer Woche fasten in der ich mehr Zeit für mich habe und nicht von einem Termin zum nächsten Muss. Diese Bedingung war diesmal nicht schlecht weil es mich vom Essen abgelenkt hat aber es war durchaus auch anstrengender und ich konnte vieles nicht ausprobieren, wie etwa etwas Yoga und Spaziergänge weil mir schlichtweg die Zeit dazu gefehlt hat. 

Das Fasten war also ein voller Erfolg und es hat mir Spaß gemacht, das alles etwas mit dem Blog zu begleiten. Ich hoffe euch hat es auch etwas interessiert bzw. ihr habt jetzt vielleicht auch Lust euch näher mit dem Thema zu beschäftigen Wenn ihr Fragen habt, fühlt euch frei einen Kommentar zu schreiben!


Das Fasten ist die Speise der Seele. 
Wie die körperliche Speise stärkt, so macht das Fasten die Seele kräftiger und verschafft ihr beweglichere Flügel, 
hebt sie empor und läßt sie über himmlische Dinge nachdenken, indem es sie über Lüste und die Freuden des gegenwärtigen Lebens erhaben macht. 
Wie leichte Fahrzeuge das Meer schneller durchqueren, schwerbelastete Schiffe aber untergehen, so macht das Fasten die Gedanken leichter.

Johannes Chrysostomus (4. Jh.)

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